Politik der verbrannten Erde

Bild des Benutzers Martin Müller

Es ist eine in Dietikon mittlerweile gut eingespielte Taktik: Zuerst lasse man ein Objekt still und leise verlottern. Wenn irgendwann der Sanierungsdruck nicht mehr abzuwenden ist, erarbeite man ein luxuriöses Projekt, das unter normalen Umständen an der Urne scheitern müsste.

Dieses schicke man alsdann in den politischen Entscheidungsprozess, nicht ohne zu betonen, dass es dazu nun leider, leider aufgrund des fortgeschrittenen Verfalls keine Alternative mehr gebe. Ich nenne das eine Politik der verbrannten Erde.

Hat man beim Altersheim erfolgreich durchgespielt und ein 32 Mio. Projekt schlank an der Urne durch gebracht. Bei der Krone lief es ähnlich. Letzthin drohte die classe politique dem Stimmvolk gar, das Freibad sei derart marode, dass es geschlossen werde, wenn jenes den zwei Krediten für Sanierung und Ausbau nicht zustimme. Man veranstaltete sogar Besichtigungstouren, damit sich auch der letzte Zweifler von den prekären Zuständen überzeugen konnte. Bei Lichte betrachtet war auch das Schellerareal so ein Fall, wenn auch mit leicht anderen Rahmenbedingungen.

Alles wird als "alternativlos" dargestellt. Aber nicht, weil es keine Alternative geben würde. Eine solche gibt es immer. Sondern, weil eine Alternative nicht rechtzeitig in Angriff genommen wurde.

Warum müssen wir denn überhaupt abstimmen, wenn wir angeblich gar nicht Nein sagen können? Wäre es in diesem Falle nicht sogar eine gebundene Ausgabe, die der Stadtrat in eigener Kompetenz beschliessen  müsste? Schliesslich wäre er per Gesetz dazu verpflichtet, die Infrastruktur in einem gebrauchsfähigen und sicheren Zustand zu halten. Ich bin mal gespannt, was die Rekursinstanzen bei nächster Gelegenheit dazu zu sagen haben.

Was lässt unser Stadtrat als nächstes verlottern? Ich würde auf den Pausenplatz beim Zentralschulhaus wetten. 800'000 Franken sind schon lange im Finanzplan eingestellt, obwohl es ein neuer Asphaltbelag auch tun würde. Ist dann aber mal das Luxusprojekt ausgearbeitet, gibts dazu wieder keine Alternative mehr.

Bild: chocolat01 / pixelio.de
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